Kreatives Brandenburg

Sans titre besorgt um öffentliche Präsenz

Sans titre besorgt um öffentliche Präsenz

Knapp zehn Jahre nach seiner Gründung 2009 werfen massive Bauvorhaben um das Potsdamer Kunsthaus Sans titre ihre Schatten voraus. Auf einer der letzten Brachen in der Innenstadt hinter dem Hauptpostamt sind neben dem Sans titre ein sechsgeschossiges Hotel und ein Wohnhaus mit kleinen Apartments geplant. Direkt vor dem Kunsthaus soll ein Mietshaus errichtet oder das Gebäude überbaut werden. „Wir müssen darauf achten, dass wir für die Öffentlichkeit weiter sichtbar und zugänglich sind“, sagte Sans-titre-Chef Mikos Meininger besorgt.

Im August 2009 gründete der Maler, Grafiker, Bildhauer, Buchautor und Herausgeber der seit 1989 erscheinenden Literatur- und Kunstzeitschrift „Herzattacke“ mit dem Künstler Chris Hinze das Kunsthaus. Träger ist ein gemeinnütziger Verein, mit dessen Hilfe ein leerstehendes Haus der Potsdamer Energiewirtschaft aus eigenen Mitteln umgebaut wurde. 

Auf zwei Ebenen bietet das Haus mit 800 Quadratmetern Fläche mehrere Ateliers und einen Galeriebereich für Ausstellungen. Der Name Sans titre (franz. ohne Titel) verweist auf das von eingewanderten Hugenotten 1753 gegründete Französische Viertel, in dem sich das Gebäude befindet. 

„Wir wollen vor allem Kommunikation und künstlerischen Austausch fördern und Künstlern und Besuchern Raum bieten, im Rahmen von Salons, Workshops oder als regelmäßiger Treffpunkt“, umreißt Meininger die Ziele des Vereins. Dabei arbeite man eng mit lokalen, nationalen und internationalen Künstlern aus Bereichen wie Malerei, Fotografie, Musik und Performance zusammen. 

Wichtige Adresse für Kunstproduktionen

Mittlerweile hat sich das Sans titre weit über die Stadt hinaus zu einer wichtigen Adresse von Kunstproduktionen entwickelt. Rund 60 Ausstellungen und Veranstaltungen absolvierte das Sans titre in den vergangenen Jahren. So etwa die Vernissage „Gold Geld Luxus Mensch“, auf der mehr als 90 Künstler aus dem In- und Ausland  Bilder, Skulpturen,  Fotografien und Installationen präsentierten oder die Schau „Potsdam vor 100 Jahren – Historische Stadtansichten“, bei der rund 120 Fotografien der ehemaligen Preußischen Messbildanstalt gezeigt wurden, die zwischen 1911 und 1912 für wissenschaftliche Dokumentationen von Straßenzügen und Bauwerken entstanden. 
Aktuell präsentiert das Sans titre in Kooperation mit dem Förderverein des Potsdam-Museums die Ausstellung „Sans femmes / potsdammaenner““, auf der Skulpturen und Fotos über Menschen und Ansichten der märkischen Hauptstadt gezeigt werden.  

Bestandsgarantie für dauerhafte Nutzung des Kulturhauses

Das Kunsthaus befindet sich auf einem Areal, das der Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 (PWG) gehört. Ursprünglich wollte die PWG, die dem Sans titre eine günstige Mietkondition gewährt, ihre gesamte Fläche für den Bau neuer Wohnungen nutzen. Im Verfahren  um das Bauvorhaben beauftragten die Stadtverordneten den Potsdamer Oberbürgermeister im Mai des vergangenen Jahres aber, mit dem Sans titre über eine dauerhafte Nutzung des Hauses als Kulturstadtort zu verhandeln.

„Wir arbeiten eng mit der PWG zusammen für ein Nutzungskonzept. Wir wollen das Haus mit eigenen Mitteln so sanieren, dass die Mietkosten nicht zu hoch ausfallen“, sagt Meininger und fügt hinzu: „Auch nach Abschluss der Bauarbeiten in drei bis vier Jahren muss das Sans titre von der Straße aus sichtbar und zugänglich bleiben.“  

Für die freie Fläche hinter dem Hauptpostamt hat ein Architektenbüro im Mai dieses Jahres die Bebauungspläne der Öffentlichkeit präsentiert. Das dort vorgesehene Hotel sieht Meininger als Chance, das Sans titre international bekannter zu machen. „Schön wäre es, wenn unsere Kunst in das Hotel einziehen könnte und die Gäste mitbekommen, dass sich das Kunsthaus nebenan befindet.“Viel Zeit, seinen Wunsch umzusetzen,  hat der Kunsthaus-Chef nicht: Der Hotelbau soll bereits im Herbst beginnen.

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