Kreatives Brandenburg

Coworking Space „Coconat“ - Kreativ-WG fernab der Großstadt

Coworking Space „Coconat“ - Kreativ-WG fernab der Großstadt

Am Anfang war sich Janosch Dietrich gar nicht sicher, ob ein Coworking Space in einer ländlichen Region Brandenburgs überhaupt funktionieren kann. Mehrere Standorte, die der Berliner mit Freundin Julianne Becker und zwei weiteren Mitstreitern testeten, waren nicht zuletzt wegen der schlechten Internetverbindungen ungeeignet. Schließlich erwies sich ein mehrere Jahre leerstehender alter Gutshof in dem 70 Einwohner zählenden Dorf Klein Glien bei Bad Belzig als nahezu perfekt. Nachdem die Bank dem Businessplan für das Coworking Space „Coconat“ zustimmte, konnte das der Stadt Bad Belzig gehörende zwei Hektar große Areal im Hohen Fläming, 80 Kilometer südwestlich Berlins, für knapp 370.000 Euro den Besitzer wechseln. 

„Unser Geschäftsmodell entspricht den Erwartungen, im Moment müssen wir sogar vielen Leuten absagen“, sagt Mitgeschäftsführer Dietrich, der früher internationale Filmfestivals in Europa und Lateinamerika organisierte und als Berater für nachhaltigen Tourismus arbeitete. Mit Julianne Becker, die in einem Startup arbeitete, das über Coworking Spaces berichtete, und zwei weiteren Interessenten entstand das Konzept eines Rückzugsortes für digitale Kopfarbeiter und kreative Teams außerhalb der Großstadt.

Workation – Kombination aus Arbeiten und Urlaub

Der Name „Coconat“ steht für „community and concentrated work in nature“ und ist zugleich Programm für das Konzept Workation - eine Kombination aus work und vacation. „Wir sind mehr als eine Einrichtung, die Arbeitsplätze vermietet; wir verstehen uns als eine Art Kreativ-WG, in der man auf Zeit lebt und arbeitet – ohne die Betten machen zu müssen“, erläutert Dietrich die Philosophie des „Sozialunternehmens Coconat“ und fügt hinzu: „Wir geben unseren Gästen einen Ort zum konzentrierten und gemeinschaftlichen Arbeiten und Entspannen, strahlen mit Veranstaltungen und Beratungen aber auch in die Region hinein, unterstützen die Wirtschaftsförderung und bringen Menschen zusammen.“ Zum kreativen Miteinander gehört auch das gemeinsame Essen mittags und abends, bei dem die Besucher untereinander Erfahrungen austauschen können.

Seit Eröffnung des „Coconats“ Mitte 2017 haben rund 2500 Gäste den Gutshof besucht, in dem bis nach der Wende der Ortsbürgermeister und ein „Konsum“-Lebensmittelladen residierten. Der Anlaufpunkt für Ortsansässige, Kreativteams und digitale Globetrotter schien Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) so gelungen, dass er das Anwesen im vergangenen Oktober als „Demografieprojekt des Monats“ und als Beispiel für den Einfallsreichtum vieler Menschen in Brandenburg ehrte.

Teams nahmhafter Großunternehmen zu Gast

Dass das Konzept von konzentriertem Arbeiten und Urlaub in der Natur aufgeht, beweist die „Coconat“-Gästeliste. Neben Doktoranten, die ihre Dissertation schrieben, oder Studenten, die sich auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiteten, kamen auch Projektgruppen namhafter Großunternehmen, wie Daimler-Benz, Telekom, Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), vom internationalen Lieferdienst Delivery Hero und von der Naturschutzorganisation WWF  nach Klein Glien. Auch das Innovationszentrum von Porsche und dem Axel-Springer-Verlag, APX, war hier schon zu Gast. Eben erst brütete ein Dutzend Drehbuchautoren des Fernsehsenders Vox über neue TV-Serien. „Wir hatten Teams aus aller Welt, aus den USA und Kanada, aber auch schon aus Malaysia“ sagt Dietrich. Den international operierenden Unternehmen sei es egal, wo sie sich treffen. „Wichtig ist ein internationaler Flughafen in der Nähe – und den haben wir mit direkten Zugverbindungen nach Schönefeld.“ 

Derzeit gibt es im „Coconat“ 15 Zimmer mit 44 Betten, zwei wie Hotelzimmer eingerichtete Zelte und zwei Schwebezelte. Geplant ist der Ausbau eines Dachbodens und der Bau eines Baumhausbüros. In einem Kellergewölbe sollen künftig Feste gefeiert werden können, ohne die anderen Gäste zu stören. In einer Scheune sollen Werkstätten für Menschen entstehen, die nicht oder nicht nur am Computer arbeiten. „Wir glauben, dass der ländliche Raum bei der Digitalisierung nicht hinter den Großstädten zurückstehen muss“, betont Dietrich. „randenburg kann genauso wie Berlin ein Hotspot für Startups sein.“

Weitere Informationen unter folgendem Link:
http://coconat-space.com

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