Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft

Fragen an Kreative – Aus der Praxis für die Praxis - Alexandra Quiring-Tegeder

Fragen an Kreative – Aus der Praxis für die Praxis - Alexandra Quiring-Tegeder

Alexandra Quiring-Tegeder ist seit 2014 Geschäftsführerin der Firma Agidium – Beratung und Agentur für digitale Umbrüche UG mit Sitz in Oranienburg. Mit einem Partner, einem Angestellten und freien Mitarbeitern entwickelt sie neben eigenen Projekten das Design von Webseiten, Software und Apps für mittelständische und auch große Unternehmen aus ganz Deutschland in den Bereichen Energie, Immobilien, Banken, aber auch im Tourismus. Bei mehreren Einzelprojekten sind so auch schon mal bis zu 15 Spezialisten parallel im Einsatz.

Sie berät intensiv, wenn es darum geht, umfangreiche Relaunchprojekte aufzusetzen, die auch einen Wandel in Arbeits- und Denkweisen oder in Vertriebs- und Führungsstrukturen bedingen.

Sie lebt mit ihrer Familie bei Oranienburg und führt ihren Kalender tatsächlich wieder per Hand.

Gab es eine bewusste Entscheidung, selbständig zu werden?

Ich hatte bereits Erfahrung als Geschäftsführerin und wusste daher, wieviel Energie und Kraft dieser Job erfordert. Diese Energie und Kraft wollte ich nicht mehr „verkaufen“, sondern in meine eigenen Ideen und Visionen stecken. 

Was lieben Sie an der Selbstständigkeit?

Unabhängigkeit, Eigenständig und schnell etwas auf die Beine stellen, kurze Wege, Eigenverantwortung.

Was ist für Sie die größte Herausforderung der Selbstständigkeit?

Disziplin, Selbstorganisation, Priorisierung, Selbstmotivation, bürokratische Hürden – alles rund um Buchhaltung, Steuern, Datenschutz & DSGVO, Versicherungen etc. Vor allem letztere sind mit viel Aufwand und nicht kalkulierbaren Risiken verbunden und fungieren so leider auch als absolute Spaßbremse.

Haben Sie eine Strategie oder einen Langzeitplan oder lassen Sie die Entwicklungen auf sich zukommen?

Bei Agidium beschäftigen wir uns sehr intensiv mit den anstehenden technischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung und entwickeln daraus unsere Strategie. Gleichzeitig schauen wir uns immer wieder an, wo unsere Kunden stehen und wo wir Probleme lösen können. 

Wie weit im Voraus können Sie in der Regel planen?

Wir sind im Projektgeschäft unterwegs. Das ist häufig kurzfristig. Wir haben aber auch einen Anteil langfristiger Verträge, die uns einen längeren Planungshorizont erlauben.

Wie finden Sie Ihre Kunden? Oder finden die Kunden Sie?

Unsere Kunden finden uns. In der Regel kommen sie aus meinem Netzwerk aus knapp 20 Jahren Berufs- und Branchenerfahrung. Ehemalige Kollegen, Kunden und Geschäftspartner (angefangen bei ImmobilienScout24) kommen mit ihren Projekten und Ideen auf uns zu. Natürlich passiert auch das nicht von allein. Wir investieren in unsere Webseite, zeigen uns auf vielen Veranstaltungen und Netzwerktreffen, ich halte Vorträge. Wir positionieren unsere Themen und machen so immer wieder neu auf uns aufmerksam.

Was war der Höhepunkt Ihrer bisherigen Laufbahn?

Immer wieder schön ist es, wenn unsere Kunden nicht nur zufrieden, sondern begeistert sind. So haben wir beispielsweise für die Immobilienbranche spezielle Erweiterungen gebaut (Wordpress-Plugins für die Objektdarstellung & API-Verknüpfung), die echte Problemlöser sind, wenn die eigenen Projekte auf mehreren Plattformen angezeigt werden sollen. Unsere Kunden profitieren von dieser Eigenentwicklung, das macht sich dann eben auch im Preis bemerkbar. 

Toll war aber auch zum Beispiel eine Video-Challenge, bei der Schüler aus Oranienburg, Hennigsdorf und Velten in kürzester Zeit mit unserer Unterstützung Filme rund um das Thema Ausbildung konzipiert und gedreht haben. Am Ende gab es eine schöne Abschlussveranstaltung mit den drei Bürgermeistern und alle waren sehr stolz. Die Filme sind hier noch zu sehen.

Wenn Sie nochmal ganz am Anfang stehen würden, was würden Sie anders machen?

Ich würde mich früher selbständig machen, mich mehr trauen, z.B. während der Zeit in anderen Unternehmen bereits eigene Projekte aufsetzen und dadurch ‚üben‘.

Wie hat sich Ihre Tätigkeit in den letzten 10 Jahren verändert?

Sehr stark. Vor zehn Jahren gab es regelmäßige Vorort-Meetings mit schlechtem Filterkaffee, viel Vor- und Nacharbeit, wenig Output, langen Reisezeiten. Heute machen wir Bildschirmkonferenzen, jeder sitzt am Rechner und arbeitet parallel die ersten Aufgaben ab. Missverständnisse werden fix erledigt, indem man den Bildschirm teilt, Wissenslücken werden durch Recherchen ganz schnell geschlossen. Insgesamt sind die technischen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit für uns die größte Effizienzmaschine. Gleichzeitig werden die Ergebnisse einfach besser.

Außerdem gibt es bei uns keine top-down Entscheidungen mehr. Wir suchen nach Spezialisten und nach der besten Lösung gemeinsam. Dies gelingt in gemischten Teams, in denen jeder eine andere Sichtweise und andere Kompetenzen mitbringt, am besten. So erhält man schnell einen wirklichen Rundumblick und die notwendige Tiefe und Vielfalt – nur so kann man am Markt bestehen. 

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich für Ihre Selbstständigkeit wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass es im Jahr 2018 keine Rolle mehr spielt, dass ich eine Frau bin. Software ist immer noch eine Männerdomäne. Bei langjährigen Kunden ist das kein Thema, aber gerade im Erstkontakt mit den doch meist männlichen Geschäftsführern passiert es schon mal, dass nach dem Geschäftsführer verlangt wird, wobei sie schon längst vor ihnen sitzt.
Und ich würde mir wünschen, dass sich Förderinstrumente, ob nun in der Wirtschaftsförderung oder speziell auch für die Softwareentwicklung flexibler an die Erfordernisse der Unternehmen und somit auch des Marktes anpassen und nicht umgekehrt.

Quelle: Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft
Bild:  Alexandra Quiring-Tegeder

rss

Schon gelesen?

schließen
schließen