Kreatives Brandenburg

„Zeigen, wie Machtmechanismen funktionieren“

Poetenpack-Regisseur Hueck inszeniert Taboris „Mein Kampf“ mit Schülern

„Zeigen, wie Machtmechanismen funktionieren“

Gern erinnert sich Theaterregisseur Andreas Hueck an die Arbeit mit Schülern bei der Inszenierung des Stückes „Nathan der Weise“ in Potsdam, Uelzen, Solingen, Hameln und weiteren Städten. „Das war für uns so glücksbringend, dass wir jeden Weg gesucht haben, so etwas weiterzuführen“, sagt der 49-jährige Gründer des Potsdamer Theaters Poetenpack. Als Folgeprojekt bot sich George Taboris Groteske „Mein Kampf“ an, die schon seit 2011 zum Repertoire des Poetenpacks gehört. Am 15. November bringt das professionelle  Ensemble das Stück erstmals zusammen mit Potsdamer Schülern auf die Bühne.

Hueck studierte Schauspiel in Graz und Leipzig. Einem Regiestudium in München folgte dort eine Weiterbildung in Theatermanagement. Anschließend arbeitete Hueck zwei Jahre lang in einem festen Engagement in Magdeburg. „Dort habe ich den Wunsch verspürt, eigenen Ideen mehr Raum zu geben.“ Mit der Gründung des Poetenpacks 1999 konnte er sich diesen Wunsch erfüllen.

Mittlerweile verfügt das Theater über ein umfang- und facettenreiches Programm von 26 Inszenierungen. Im Zentrum des Repertoires stehen Klassiker-Inszenierungen, die durch Stücke zur deutsch-jüdischen Geschichte, moderne Schauspiele, musikalisch-literarischen Abende, Familientheater sowie komödiantische Kammerspiele ergänzt werden.

Aufführungen häufig an ungewöhnlichen Orten

Eine eigene Bühne und ein festes Ensemble hat Hueck, der aus einem Pool von rund 30 professionellen Schauspielern schöpft, nicht. Gesucht werden ungewöhnliche Orte, wie Kirchen und historische Gebäude, die in Bühnen umgewandelt werden. Seit 2016 spielt das Poetenpack für einige Wochen im Sommer unter freiem Himmel im Heckentheater, einer barocken Naturbühne neben dem Neuen Palais. Regelmäßig in dieser Zeit gastiert die Schauspieltruppe auch im Garten der Möllenvogtei am Magdeburger Dom.

Mit „Mein Kampf“ gewinnt Hueck zum zweiten Mal Potsdamer Schüler für ein Theaterstück. An der „Nathan“-Inszenierung, die im Oktober 2015 in der Französischen Kirche in Potsdam aufgeführt wurde,  hatten Schüler verschiedener Religionen aus der Willkommensklasse der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule mitgewirkt. In dem in Berlin 1783 uraufgeführtem Drama Gotthold Ephraim Lessings, das zur Zeit des Dritten Kreuzzuges um 1190 in Jerusalem spielt, geht es um die Frage, welche der drei Weltreligionen Christentum, Islam oder Judentum die wahre sei. „Das Stück, in dem Nathan die Antwort offen lässt,  hat nichts an seiner Aktualität verloren“, sagt Hueck.

Tiefschwarze Komödie mit Bezug zur Gegenwart

Der Bezug zur Gegenwart gilt auch für das 1987 im Wiener Akademietheater uraufgeführte Stück „Mein Kampf“. Es spielt um 1910 in Wien und zeigt in sarkastisch-humoristischer Weise die Entwicklung Adolf Hitlers vom abgeblitzten Anwärter eines Kunststudiums zum antisemitischen Despoten und späteren Diktator. Für Hueck, der unter Tabori hospitierte, war es das richtige Stück, um jungen Menschen wie er sagt in „tiefschwarzer komödienartiger  Form das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte zu vermitteln und zu zeigen, wie  Machtmechanismen funktionieren“. 

Quelle: Kreatives Brandenburg/Manfred Rey
Bild: Nathan/®Constanze Henning

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