Kreatives Brandenburg

Im Profil: Die Künstlerin Steffi Ribbe

Im Profil: Die Künstlerin Steffi Ribbe

Steffi Ribbe treibt es bunt. Wer in ihr Atelier im Freiland Potsdam kommt, ist überwältigt von den knalligen Farben an kleinen und großen Schränken, Schmuck, Briefkästen, Vogelhäuschen und Gipsabdrücken von Schwangerenbäuchen. Was lag da näher als der Name „Farbknall“? Kreatives Brandenburg hat sich mit der Künstlerin in ihrer Werkstatt getroffen und über ihren früheren Job, Upcycling und natürlich Farben gesprochen.

Interview: Bianca Loschinsky

 

Hallo Steffi, ich habe zu Hause noch zwei alte Stühle von meinen Urgroßeltern – dunkelbraunes Holz, gepolstert und mit roten Bezug. Was würdest du mit denen machen?

Dann würde ich erst einmal gucken, ob die überhaupt überarbeitet werden sollten. Manchmal sage ich dann auch, dass man die Sachen so lassen sollte.

Wovon hängt das ab?

Manche Möbel passen einfach so vom Charme. Wenn ganz klar ist, dass der Stuhl umgestaltet werden soll, kann man das Holz vom Stuhl bearbeiten, und ich könnte auch das Polster neu machen.

Machst Du das Polster selbst?

Sitzflächen polstere ich selbst, ansonsten habe ich noch einen Schneider, der auch polstern kann. Aber ich liebäugele gerade auch mit einem Praktikum bei einem Polsterer.

Wenn Du mit Deinen Stühlen zu mir kommst, würde ich Dich bitten, mir ein Foto von dem Raum zu schicken, in dem die Stühle stehen sollen. Dann klopfe ich beim Auftraggeber ab, welche Farben er gut findet und in welche Richtung die Gestaltung gehen soll. Daraus entsteht dann meine Idee für den Stuhl, die ich dann auch dem Auftraggeber mitteile. Ein Stück künstlerische Freiheit behalte ich mir aber immer noch vor. Ein wenig Überraschung ist also noch dabei. Manchmal entscheide ich mich auch noch um, weil es dann doch nicht so aussieht, wie ich es mir vorgestellt habe.


Im Lager.

Hast du schon Stammkunden?

Hm, Wiederholungstäter! (lacht)

Woher bekommst Du die Möbel?

Ich werde oft angerufen von Leuten, die zum Beispiel einen Schrank verschenken wollen. Einige wissen, dass ich Möbel rette. Manche Freunde halten auch Wache am Sperrmüllhaufen. (lacht) Die schicken mir schnell ein Foto und warten, bis ich den Schrank abholen kann. Und ich selbst habe auch schon ein geschultes Auge für bestimmte Möbel. Aber ich muss auch wirklich aufpassen: Mein Lager ist echt begrenzt. Nicht, dass ich noch zum Messie werde! Aufträge sind mir deshalb lieber, weil die Sachen kommen und auch wieder gehen.

Gerade hast Du gesagt, dass Du Möbel rettest.

Ja, viele Möbel landen im Schrott, werden verheizt oder verschimmeln im Keller. Dadurch dass ich die Möbel „personalisiere“, also ganz persönlich für einen Menschen gestalte, oder "personifiziere", also persönlich infiziere mit dem Farbknallvirus, haben sie einen besonderen Bezug zu dem Möbelstück. Dadurch wird es noch viele Jahre länger leben.

 

Bei Dir geht es ziemlich bunt zu. Warum?

Dazu habe ich einige Ideen. Unter anderem vielleicht auch wegen der DDR. Da war alles richtig grau. Und zum anderen kann man mit Farben Highlights setzen – in der Wohnung, im Leben.

Hast Du eine Lieblingsfarbe?

Nee. Ich finde auch grau schön – ein freundliches grau!

Wie kam es zu dem Namen „Farbknall“?

Am Anfang gab es den noch nicht. Zunächst habe ich Bauchabdrücke von Schwangeren gemacht. Aber irgendwann war das ein zu geringes Feld. Ich konnte mich nicht richtig mit meinen Ideen austoben. Dann habe ich angefangen, noch mehr Sachen anzumalen, zum Beispiel Vogelhäuschen. Dann stand ich mit meinen Sachen bei einem Kunstmarkt und jemand sagte zu mir „Na, Du hast ja auch einen Farbknall!“ Ich fand, dass es das wirklich getroffen hat.

 

Ursprünglich warst Du Zahntechnikerin. Du hast Deinen Job aufgegeben und bist Künstlerin geworden. Was war der Auslöser?

Ich habe damals schon viel nebenher gemacht. Die Arbeit hat mir super Spaß gemacht, das Modellieren und alles wieder so herzustellen, dass es authentisch wirkt. Es ist ein ganz vielfältiger Beruf. In der Zeit habe ich schon immer Ringe gemacht, Gläser graviert, z.B. eine Harley auf einen Bierkrug. Tätowieren wollte ich damals gern. Aber den Schritt zur Haut habe ich irgendwie nicht geschafft. Irgendwann wollte ich dann auch mein eigener Chef werden. Meine beiden Kinder kamen zu kurz, und meine Arbeit wurde nicht mehr honoriert.

Also war es erst ein Hobby, das Du nach und nach ausgebaut hast.

Ich habe irgendwie gemerkt, dass meine Ideen mein Kapital sind. Ich habe tolles Feedback auf meine Malerei bekommen.

Gibt es Berührungspunkte zwischen Deinem alten Job und dem der Künstlerin?

Ja, bei den Ohrringen. Die sind aus Zahnspangenkunststoff. Sie sind total leicht, man merkt sie nicht beim Fahrradfahren. Der Draht ist aus dem Zahnspangendraht und deshalb sehr hautverträglich.

 

Angefangen hast du mit den Gipsabdrücken von Schwangerenbäuchen. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Ich hatte einen Artikel über eine Berlinerin gelesen, die belly art aus den USA mitgebracht hatte. Mit Gips und Abdrücken kannte ich mich ja aus. Meine Schwester war dann schwanger – und sie wollte einen Abdruck. Und das hat gleich gut funktioniert. Den Abdruck habe ich auch bemalt.

Die Gipsabdrücke bietest Du auch weiterhin an?

Ja, ich habe jetzt drei Rubriken für mich heraus gearbeitet. Das sind die Möbel, die ich nach meinen eigenen Ideen gestalte, die Auftragsarbeiten und die Bauchabdrücke.

 

Mit welchen Wünschen kommen die Frauen oder werdenden Eltern zu Dir?

Wenn die jungen Eltern zu mir kommen, ist auch immer die Frage, wo soll der Abdruck hängen, soll es als Lampe funktionieren. Dann wird ein Muster eingraviert. Und auch wenn kein Muster oder Glassteine drin sind, leuchtet das Licht an der Seite vorbei. Und dann arbeite ich – wie bei den Möbeln – mit den Eltern heraus, wie der Abdruck gestaltet werden soll. Wenn Sie Musikerin ist, kommen vielleicht Noten drauf oder wenn sie im Jagdhaus wohnen, ein springender Hirsch.

Ich biete auch die Aufarbeitung und Reparatur von privaten Bauchabdrücken an, und dann kommen manchmal die Männer ins Atelier mit den missglückten Selbstversuchen, und ich überarbeite dann die Bauchabdrücke und mache haltbare Kunstwerke draus. Die Männer überraschen damit dann ihre Frauen, das ist immer eine richtige Heimlichkeit, aber der Effekt ist super.

Bei Dir im Atelier auf dem Schrank steht auch eine bemalte Urne.

Das möchte ich gern noch ausbauen. Die normalen Urnen beim Bestattungsinstitut würden mir nicht gefallen.

 

Du gestaltest alte Möbel um. Wie sieht es mit neuen Möbelstücken aus?

Man kann natürlich auch mit Ikea-Möbeln zu mir kommen, und daraus mache ich dann ein Unikat.

Upcycling und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Beschert Dir das auch mehr Kunden?

Upcycling ist ja das, was ich schon lange mache, was aber jetzt erst ein Wort bekommen hat. Oder auch Vintage oder Shabby Chic. Ich habe eine größere Plattform bekommen, dadurch, dass ich inzwischen schon länger dabei bin, aber ob es auch damit zu tun, dass die Leute nun einen Begriff dafür haben, weiß ich nicht.

Ich glaube, werbetechnisch ist es sicherlich besser, wenn ich es Upcycling und nachhaltig nenne. Und das ist es ja in jedem Fall. Ich rette ja die alten Möbel und bin gegen die Wegwerfgesellschaft. Dadurch verstehen es die Leute wahrscheinlich besser.

 

Was war Dein interessantester Auftrag?

Der steht noch an. Ich möchte gern einmal ein großes Boot anmalen. Es kann auch erst einmal ein Ruderboot sein. Eine Schwalbe habe ich mal für einen Mopedladen richtig bunt angemalt. Und den Tresen in der Waschbar in Potsdam. Wandgestaltung mache ich auch noch. Ich würde gern einmal ein kleines Café komplett gestalten.

Du hattest Dein Atelier früher in der Geschwister-Scholl-Straße, jetzt im Freiland. Wann und weshalb bist Du umgezogen?

Das war vor zwei Jahren. Wir haben einen neuen Vermieter bekommen, die Miete für diesen Raum wurde extrem teuer und die Obstbäume vor dem Haus wurden einfach abgeholzt – für Parkplätze…

War es schwierig, einen neuen Raum zu finden?

Freiland war für mich die rettende Hand. Es ist super, dass ich hier gelandet bin, weil es extrem schwer ist in Potsdam, einen neuen Atelierraum zu finden, weil wir hier überhaupt keinen Leerstand mehr haben. Für mich war es zu dem Zeitpunkt wirklich so: Entweder ich finde eine neuen Raum oder ich muss aufhören. In meiner Wohnung hätte ich nicht arbeiten können. Mein Traum wäre ein eigener Laden mit Werkstatt, aber bezahlbar. (lacht).

 

Kannst Du von Deiner Arbeit leben?

Ja, in aller Bescheidenheit.

Hin und wieder hast Du auch Praktikanten bei Dir im Atelier. Was lernen die hier?

Ja, inzwischen hat es sich herum gesprochen, dass man bei mir ein cooles Praktikum machen kann. Die Schülerpraktikanten sind zwei bis drei Wochen bei Farbknall, und sie lernen bei mir vor allem Spontanität und Ausdauer. Man muss dann eben auch mal zwei Stunden einen Schrank abschleifen.

Viele Kreative zieht es eher in große Städte – Berlin oder Hamburg. Was hält Dich in Brandenburg?

Ich komme ursprünglich aus Brandenburg. Ich bin in Kyritz an der Knatter geboren. Ich habe auch mal zwei Jahre in Rostock gewohnt. Aber Potsdam hat mich total angezogen. Ich fühle mich hier sehr wohl, und ich bin hier super vernetzt. Potsdam ist einfach cool! Die Stadt hat die ganzen Seen außen rum. Ich kann schnell bei meinen Freunden in Berlin sein, die damals alle vom Dorf dorthin gezogen sind. Potsdam hat einfach eine gute Lage.

Weggehen? Hm, wenn ich irgendwo ein Bahnhofshäuschen hätte mit Café dran, wo ich mich richtig ausbreiten könnte. Und wenn meine Kinder alt genug sind. Die sind in Potsdam ja auch verwurzelt.

An welchem Objekt arbeitest Du gerade?

An einem Mosaik aus Kronkorken für einen Mann. Es wird ein Meter mal ein Meter groß. Ein Logo vom Astra-Bier. Das war seine Vorstellung, und ich muss es jetzt nur noch umsetzen.

 

Wie verkaufst Du Deine Werke? Übers Internet? Gehst Du auf Märkte?

Auf Märkte gehe ich nicht mehr. Es ist anstrengend, mit den Möbeln auf Märkte zu fahren. Der Rücklauf ist auch ganz gering. Das rechnet sich nicht. Ich verkaufe das meiste übers Internet. Ich bin sehr aktiv bei Facebook, verkaufe auch über Dawanda und demnächst wahrscheinlich auch bei ebay. So habe ich dann auch keine Ladenkosten.

Woher kommen Deine Auftraggeber?

Viele kommen aus der Region, aber neulich hat auch eine Frau aus München einen Schrank gekauft. Und ich habe bereits Farbknall-Wäscheklammern nach Melbourne geschickt. Die Frau hatte mich über Facebook entdeckt. Sie wollte passend zu ihrem Kaffeeservice bunte Klammern haben, um damit die Servietten zu halten. Und auch Weinflaschen-Verschlüsse habe ich schon weltweit verkauft.

Weitere Informationen:
>>> Farbknall auf Kreatives Brandenburg
>>> Website von Farbknall

Fotos: Bianca Loschinsky

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