Kreatives Brandenburg

Im Profil: Die Sängerin Andra Barz

Im Profil: Die Sängerin Andra Barz

Andra Barz ist ein Waldkind. Das singt sie nicht nur auf ihrem aktuellen Album. Der Wald ist ihr Zuhause, ihre Inspiration. Und der Wald war es auch, der sie einst wieder nach Hause holte ins Havelland. In den 1990ern lebte die Brandenburgerin in London, arbeitete als Architektin, erhielt eine Ausbildung als Jazzsängerin, lernte Obertongesang und sang in mehreren Bands. Aber in der schnelllebigen Stadt vermisste sie die Natur, den Wald ihrer Kindheit. Deshalb kehrte Andra Barz nach sechs Jahren zurück an ihren Sehnsuchtsort, hängte ihren Job als Architektin an den Nagel und machte die Musik zu ihrem Beruf. Ihre selbst geschriebenen Songs veröffentlichte die 42-Jährige auf der CD "Waldkind". Begleitet wird sie am Klavier von ihrem Lebenspartner, dem Künstler Jan Beumelburg. Die Lieder sind eine Mischung aus Chanson, Kunstlied und Pop - melodische Stimmungsbilder.

Ist Ihr Job Beruf oder Berufung?
Mein Job ist mir Berufung.

Warum? Und wie sind Sie dazu gekommen?
Vielleicht, weil ich hart dafür kämpfen musste und erst auf Umwegen dazu gelangte. Ich hatte schon mit siebzehn angefangen klassischen Gesangsunterricht zu nehmen und sang parallel dazu immer in irgendwelchen Bands. Doch hatte es mich auch im Bereich Architektur erwischt. Ich lernte und arbeitete zunächst als Bauzeichner, und studierte dann in der damals frisch eröffneten FH Potsdam Architektur.

Sie haben also zwei Seelen in Ihrer Brust?
Ja, ich habe nicht nur eine Leidenschaft für die Musik sondern auch eine Passion für Architektur, liebe besonders Schinkel und beschäftige mich privat viel mit dem “Goldenen Schnitt”, musikalisch und auch geometrisch. Ich versuche seit Jahren diese beiden Richtungen zu vereinen erforsche für mich Klang & Raum, und beschäftige mich viel mit den Begriffen Schönheit und Harmonie. Dies kommt, so glaube ich, in meinen selbstgeschriebenen Liedern zum Ausdruck, aber vielleicht auch in meinen früheren Architektur-Entwürfen.

Nachdem Sie einige Jahre als Architektin gearbeitet haben, haben Sie sich jetzt für die Musik entschieden. Wie kam es zu dem Entschluss?
Als Architekt sitzt man heute fast ausschließlich vor dem Bildschirm. Ich hatte Anfang der Neunziger Jahre noch die Non- Computer-Generation in den Büros erlebt. Die einzelnen Tätigkeiten im beruflichen Umfeld waren durchaus vielseitiger und praktischer: Wir klebten, bauten Modelle, zeichneten mit der Hand, aquarellierten die Entwürfe....Jetzt wird alles digital produziert. Ich fühlte, dass ich total überarbeitet war, sich meine Augen verschlechterten, außerdem die Arbeitszeit sich immer mehr- unbezahlt- auf das Wochenende verlängerte. Außerdem sank der Lohn in den letzten Jahren. Durch die Digitalisierung muss heute alles noch schneller und paralleler passieren. Dabei wird der Stress größer. Ich fühlte mich nicht mehr mit dem Berufsbild einverstanden, außerdem wollte ich ja vor allem auch Musik machen. Dazu blieb gar keine Zeit mehr. So entschloss ich mich, es umzudrehen. Jetzt ist Musik mein Beruf und Architektur mein Hobby.

Können Sie von Ihrer Musik leben?
Ja, allerdings mit Ach und Krach ;-) ! Ich lebe von Auftritten und unterrichte Gesang im Bereich Rock/Pop/Jazz.

 

Aus dem Havelland sind Sie nach London und zurück ins Havelland gezogen. Unterschiedlicher können die Wohnorte kaum sein. Was sind die Vorteile und Nachteile? Und was hat Sie nach Brandenburg zurückgezogen?
Ich hatte in London fünf Jahre als Architekt gearbeitet. Dieser Beruf war sehr viel mit Stress verbunden. Ich hatte aber vor allem große Sehnsucht nach der Natur, meinem Wald im Havelland, den Seen aber vor allem auch das große Verlangen endlich nur Musik zu machen. England war gut, um sich die Hörner abzustoßen, die Kunst- und Musikszene kennen zu lernen. London ist für mich nach wie vor die Kulturhauptstadt Europas. Hier hatte ich zwei Bands und ich war ganz stolz, mich dort in der multikulturellen Szene als Jazzsängerin etwas behaupten zu können. Doch irgendwann durchschaut man die Oberflächlichkeit des Stadtlebens. Und um wirklich, wahrhaftig kreativ sein zu wollen, braucht man Stille um sich herum. Erst dann hört man die inneren Impulse und kann die Ideen aus sich herausfließen lassen. In der Ruhe liegt die Kraft. Und diese fand ich erst wieder im havelländischen Wald.

Die Kreativszene zieht es nach Berlin. Sie leben und arbeiten im Land Brandenburg. Was hat Brandenburg was Berlin nicht hat?
Ich finde, dass viele Berliner Künstler vor lauter "Networking" und sich in der "Szene -Herumtreiben" kaum wirklich zu sich selbst und ihrer Kunst finden. Ich beobachtete, dass Viele nach der Mode schielen und nach dem, was gerade angesagt ist, in der Musik, wie in der bildenden Kunst. Es gibt dort Wenige, die wirklich und wahrhaftig ihren Seelenschmerz- oder - Freude in Kunst verwandeln, oder aus ihrem Inneren eine authentische, für sich neuartige Musik zeugen. Solche Menschen finde ich aber immer öfter hier in Brandenburg. Es sind meist Zugezogene aus Berlin oder sogar aus anderen Ländern. Diese suchen Ruhe und innere Tiefe in der schönen Landschaft Brandenburgs, haben die Zeit und Muße Seelenschau zu betreiben und arbeiten von hier aus meist erfolgreich, teilweise sogar international.

Was sind Ihre aktuellen Projekte?
Ich singe nach wie vor in verschiedenen Jazzformationen: “Spell of Jazz” und als Duett mit Jan Pribbernow/ Gitarre. Schreibe aber vor allem eigene Musik und trete hier als Duo “Waldkind” zusammen mit meinem Lebenspartner Jan Beumelburg auf. Jan ist eigentlich als bildender Künstler überall im Land Brandenburg unterwegs, ist ebenfalls sehr vielseitig interessiert und begleitet mich am Piano. Als drittes Projekt aber arbeite ich mit vokalen geschichteten Klängen. Ich hatte bisher Aufträge für Performances auf Ausstellungseröffnungen oder auch Hörbuchprojekte. Mein absoluter Lieblings-Gig ist die Performance: “Elfengesang”, die bisher meistens in Parks stattfand. Damit konnte ich bisher wirklich alle Altersschichten erreichen: Kinder, alte, mittlere Leute, Jugendliche. Offiziell bin ich also eine “singende Elfe”, in Wirklichkeit jedoch improvisiere ich mit vokalen Klängen, experimentiere mit Lauten, Tönen, Vokalen, Konsonanten, allerdings in einem harmonischem Kontext. Die Zuschauer fühlen sich verzaubert. Ich glaube es besteht eine riesige Sehnsucht nach “Schönheit”!

Haben Sie Zeit, Kulturangebote im Land Brandenburg zu nutzen?
Der größte Künstler ist die Natur. Hier lasse ich mich inspirieren, in den Erlenwäldern, Sümpfen und Wiesen des Havellandes. Ansonsten lasse ich mich nur noch selten irgendwo blicken. Vielleicht auch, weil mein Lebenspartner und ich in eigener Sache so viel unterwegs sind: Galerien, Kirchen, Kunsthöfe, Cafes und Vereine im Land Brandenburg.

Wo könnte man Sie am Abend treffen?
Im Wald.

Ihr Wunsch für Brandenburg!
Weniger Bäume fällen!!!

Fotos: © Jan Beumelburg

>>> Zum Profil von Andra Barz auf Kreatives Brandenburg

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