Kreatives Brandenburg

Vom Verlieren der Unschuld – Frank Matthus inszeniert den Montagssalon

Montagssalon Fünftes Date 23. April 2018

Vom Verlieren der Unschuld – Frank Matthus inszeniert den Montagssalon

Während einer Zugfahrt von St. Petersburg nach Petrosawodsk fand er eine Pause, die Wörter aus den Fingerspitzen fließen zu lassen. Beim fünften Montagssalon in Neuruppin trug er sie kompromisslos vor. Frank Matthus, der künstlerische Leiter des Theatersommers Netzeband und der Kammeroper Schloss Rheinsberg, Miterfinder der Fontane Festspiele, bekannte, dies sei der Befindlichkeitsbericht eines kreativen Mannes Anfang fünfzig.

Ein Monolog zunächst, den er mit einer Passage aus Juli Zehs Roman Leere Herzen einleitete. Als Antwort auf die von Jens Kanitz gestellte Frage, was ihn aktuell bewege. Sein Thema sei die Zerschnipselung der Kommunikation, das Schreddern von Inhalten und besonderen Momenten in der digitalen Dimension unserer Welt. Am Beispiel des Romans „Der stille Don“ von Michail Scholochow inszenierte Matthus an diesem Abend die Atomisierung eines 1800 Seiten starken Werkes in Fragmente, die maximal noch Miniaturbotschaften enthielten statt einer Geschichte. In diesem Einakter wirft ein Zeppelin die Romanschnipsel auf den Pariser Platz und das kaum noch staunende Publikum meint nachher, es sei live dabei gewesen, beim Stillen Don. Eine Abkürzung zu Kunsterleben und Erkenntnis werde auf diese Weise vorgetäuscht. Die Salongäste empfanden diese Einschätzung mit.

Auch beim zweiten Thema litten die Zuhörer wie ein Chor genüsslich mit Matthus mit. Sie lobten den raffinierten Text und die klare Diktion des gelernten Schauspielers. Hemmungslos persönlich identifizierte der die Herausforderungen beim Schreiben von Projektanträgen und analysierte zuspitzend das Beziehungsgeflecht zwischen emotionalen Künstlern und rationalen Verwaltungsmitarbeitern.  Als leidenschaftlicher Regisseur der Freilichtbühne verteidigte Matthus die Freiheit der Kunst. Sein Herz schlage für dramatische Akte, nicht für formale Akten. Als Künstler werde er deshalb häufig der „Traumtänzerei überführt“.

Betroffen vom eigenen Pessimismus forderte er die Gäste auf, gemeinsam die Kurve zu kriegen in ein von Hoffnung beflügeltes Gespräch. Die Geschwindigkeit der Matthus-Gedanken gab der Diskussion den Takt vor. Die Kreativen auf der einen Seite sprachen sich für die Befreiung von bürokratischen Aufgaben aus. Sie überließen auch die notwendige Vermarktung ihrer Werke und Visionen am liebsten Marketingspezialisten.  An diesem Punkt wurde der existenzielle Zwiespalt zwischen Idealismus und Realismus spürbar.

Auf der anderen Seite warben die anwesenden Coaches dafür,  dass Kreative und Kulturschaffende passende Fähigkeiten für die Verhandlungen mit Fördermittelgebern und Kunden entwickeln. „Ihr wollt das Geld, die brauchen eure Ideen.“ Die Agentur lädt zu den nächsten beiden Montagssalons Experten ein, die sich dieser Thematik erneut nähern. Am 7. Mai enthüllt  Martina Schröder, wie erfolgreiche Pressearbeit gelingt. Eine Woche später wird Klaus Seidel über Finanzierungsangebote für Kultur- und Kreativschaffende durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) https://www.ilb.de/de/index.html  sprechen.

Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft

Anlaufstelle Nordwest-Brandenburg
Predigerwitwenhaus Neuruppin, Fischbänkenstraße 8, 16816 Neuruppin
Ansprechpartner: Jens Kanitz, jens.kanitz@kreativagentur-brandenburg.de

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