Kreatives Brandenburg

Der Schreibtisch-Pionier

Matthias Noack setzt mit seinem Co-Working Space neue Potsdamer Maßstäbe

Der Schreibtisch-Pionier

Es könnte ein Lehrstück für Markt und Bedarf sein. Doch viel eher erzählt die Geschichte des „MietWerks“ Potsdam von Willen und Gespür eines Kreativen für das, was ihm und anderen guttut. Denn mit dem Eigenbedarf des IT-Experten Matthias Noack fing alles an. Er hatte zunehmend den Eindruck, dass im Homeoffice sein Ideenreichtum versandet. „Anfangs schien das ganz angenehm, zuhause zu arbeiten. Aber dann habe ich dort zusehends alles Mögliche gemacht, aber nicht mehr konzentriert das geleistet, was zu leisten war. Auf Berlin, wo es Co-Working mittlerweile an jeder Ecke gibt, hatte ich keine Lust“, erinnert sich Noack. Spätestens hier war in ihm die Eigeninitiative geweckt – und eine zunächst noch fixe Idee: Organisiere Dir selbst, was Du brauchst und hole andere dafür an den gemeinsamen Arbeitstisch. Noack startete eine Art Bedarfsanalyse. Mit einer „Blindanzeige“ auf einer elektronischen Kleinanzeigenplattform, die suggerierte, es gäbe bereits einen Co-Working-Space in Potsdam, der nach Nutzern sucht. Die Resonanz war überwältigend. „Einige fragten sogar, ob sie morgen direkt loslegen könnten. Von da an habe ich systematisch nach geeigneten Räumen gesucht und etwa zehn solcher Spaces in Berlin erkundet, um mir ein Bild zu machen, was wirklich gut ist und gebraucht wird“, sagt Noack. 

Als Widrigkeit erwies sich anfangs das Startkapital. Sein Konzept stieß 2015 noch auf große Skepsis bei Finanz- und Förderinstitutionen. Daher sammelten Noack und seine Frau Privatkapital ein, mit Erfolg.  Am Ende regelte der IT-Mann alles in Eigenregie. Im März 2016 begann der Umbau einer Etage im Gebäude „Am Kanal 16-18“. Beim Ausbau gab er einem Start-Up aus Berlin den Gestaltungsauftrag. „Die kamen eigentlich aus dem Innendesign für Wohnungen. Das MietWerk wurde dann ihre erste Büro-Referenz“, freut sich der Betreiber, der alles Technische selbst machte und schon einen Monat später mit einer guten Auslastung seine Türen öffnete.  

Die Fluktuation ist gering. Drei Insolvenzen gab es bisher nur unter den dutzenden Start-Ups, die hier arbeiten. „Als wir vor der ersten Erweiterung standen, fragten wir uns, was wohl am meisten gebraucht würde: Meetingräume, Einzelbüros oder pures Co-Working. Letzteres war der Fall und so haben wir es gemacht“, beschreibt der Betreiber die Marktlage. Entstanden ist der sogenannte „Dschungel“, ein Gemeinschaftsarbeitsraum mit regenwaldinspirierter Ausgestaltung. Die typischen Nutzer sind weniger Künstler, eher schöpferische E-commerce-Start-Ups mit einem gewissen finanziellen Spielraum für eine angenehme Arbeitsumgebung.

Wie „arbeitsam“ die „MietWerk“-Nutzer sind, will Noack auch am Display der Kaffeemaschine ablesen können. „13.000 Kaffees in anderthalb Jahren“, resümiert er schmunzelnd, wohl wissend, dass er bald einen zweiten Automaten benötigt. Denn noch im ersten Quartal des Jahres soll das MietWerk Zwei eröffnen. Nahe Potsdam Hauptbahnhof sollen dann Anfragen bedient werden, die bislang aufgrund der räumlichen Gegebenheiten „Am Kanal“ nicht aufgenommen werden konnten.

Quelle: Kreatives Brandenburg/S. Rosig

Foto: Matthias Noack/Monique Wüstenhagen

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