Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft

Gedankenblitze im Rampenlicht

Öffentliches Coaching beim Oranienburger Dialogforum der Kreativagentur

Gedankenblitze im Rampenlicht

Charmantes Kreuzverhör zur Versöhnung von Kunst und kommerziellen Erfolg: beim fünften Dialogforum der Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft im Kreativ- und Co-Working-Zentrum Oranienwerk in Oranienburg stellten sich ein Vintage-Möbelrestaurateur und das  Gesangsprojekt „FreiSingen“ vor Publikum den einfühlsamen, aber ungeschönten Fragen der Agentur-Coaches. Die hatten und haben immer eines im Visier: das harmonische Zusammenspiel von Schöpferkraft und Betriebswirtschaft.

Künstler müssen nicht arm sein und lukrative Kunst ist kein Vergehen am eigenen Anspruch. Genau deswegen steht das Coaching-Programm allen offen, die mehr  wissen möchten: z. B. wie sich Wachstum, Schaffung von Arbeitsplätzen, Logistik und wirtschaftlicher Erfolg mit dem eigenen Qualitäts- und Lebensgefühl in Einklang bringen lassen.

„FreiSingen“ etwa will Menschen aller Altersschichten und sozialen Herkunft zum gemeinsamen  Singen populärer Lieder zusammen bringen. Die kleine Truppe, gleichsam die „Hausband" des Oranienwerks,  läuft gerade auf der Erfolgsspur. Die Besucherzahlen wachsen, das Repertoire auch. Doch wie es weitergehen soll, ist noch nicht klar. „Wie wollt Ihr bekannter werden? Die von Euch geschätzte Mundpropaganda wird nicht ausreichen“, sensibilisiert Agenturchef und Erstberater Prof. Dr. Thomas Thiessen die motivierten FreiSinger für die Marketing-Perspektive ihrer Idee. Am Ende steht die Anregung, auch herauszugehen an andere Auftrittsorte, Unternehmen das Singen als Incentive, Coaching-Methode oder auch entspannte Betriebsfeier nahezubringen.

Die Musiker spüren an diesem Abend, dass solche Fragen eine Antwort brauchen, nehmen weitere gute Anregungen aus dem Publikum mit. Dafür hat sich der sanfte Stress im Rampenlicht der Kreativagentur schon gelohnt – zum Weiterdenken und Bessermachen. Ganz nach den zwei Maximen der Agentur: Coachen und Vernetzen.

Dorothée Stacke, als Referatsleiterin im Landesministerium für Wirtschaft und Energie u.a. verantwortlich für die Kreativwirtschaft, erinnert zur Begrüßung daran, wie unterschätzt die ziemlich bunte Branche bisweilen ist: „Im Land haben wir mehr als 12.000 Kreativunternehmen. Und sie machen zusammen einen Jahresumsatz von 1,4 Milliarden Euro.“ Gute Gründe für das MWE, mit den Leistungen der Kreativagentur einen Mix aus eigenen Landesmitteln und Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gezielt in die Kompetenzentwicklung der Branche   zu investieren.

Das öffentliche Coaching soll werben für das Angebot  der Agentur. So gab es auch eine Gesprächsrunde, in der Erstberaterin Andrea Gramoll, die Fotografin Julia Nowak, Agenturleiter Professor Thiessen und Oranienwerk-Initiator Christoph Miethke über ihre persönlichen Erfahrungen berichten und Einblicke erlauben, wie bei ihnen geplant und entschieden wird.  Wesentlicher Aspekt der Diskussion: Wie können Kreative und „normale“ Unternehmen sich gegenseitig stärker inspirieren? Dabei geht es auch um Einbindung von Kreativität in die Unternehmensprozesse und umgekehrt um betriebswirtschaftliche Effizienz bei Kreativen. Zuvor gab es bereits individuelle Coachings, noch ohne Scheinwerfer und Zuhörer. „Entgegen allen Klischees gibt es bei Kreativen ein großes Interesse an Kooperation mit der Wirtschaft“, konstatiert Agentur-Beraterin Gramoll.

Eine davon ist Nadine Thaler. Sie war extra aus dem Landkreis Elbe-Elster gekommen. „Ich hätte auch die Kontaktstelle der Agentur im Spreewald besuchen können. Aber ich wollte ein etwas urbaneres Umfeld“, sagt sie. Thaler möchte als selbstständige Möbelgestalterin und Produktdesignerin bzw. im Bereich der angewandten Kunst arbeiten. Die Erstberatung sollte dazu dienen, ihr Geschäftskonzept, unter anderem, im Bereich der Buchhaltung und Finanzplanung zu optimieren.
Die gelernte Möbeltischlerin und studierte Designerin lebt gemeinsam mit Lebenspartner und Kind auf einem 120 Jahre alten Bauernhof. Dort gibt es sogar eine Tischlerwerkstatt des Schwiegervaters . Doch die möchte Thaler nicht betreiben, wenngleich die Geräte auch gelegentlich hilfreich sind. Sie ist dabei, sich ein eigenes Atelier aufzubauen. „Ich will keine Schulden machen, sondern organisch und behutsam wachsen“, sagt Thaler auf dem Heimweg.

So wie sie setzen immer mehr Kreative nicht allein auf ihre eigenen Konzepte, sondern auch auf externe Beratung mit Branchengespür. Für die Kreativagentur steht fest: Brandenburg birgt jede Menge Potenzial.

Quelle: S.Rosig

Bild: Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft

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