Kreatives Brandenburg

Gelebtes Netzwerken

Im Oranienwerk können sich Kreative entfalten

Gelebtes Netzwerken

Wunde, Schmerz, Narbe, und dann tiefe Stille: So, wie bei vielen Ostbetrieben hätte das laufen können mit dem Kaltstahlwalzwerk Oranienburg. 1990 noch privatisiert, wurde es drei Jahre später geschlossen. Die zum Teil schon 1916 entstandenen Werkhallen wurden für einen Gewerbepark abgerissen.

Was blieb, waren 10 000 Quadratmeter Hallen- und Verwaltungsgebäude. Gefördert von der EU, lernten hier ein paar Jahre lang junge Handwerker im Trockenen, wie man fliest oder mauert. 2010 war auch damit Schluss. Ein privater Investor gab das Areal in eine Versteigerung. Schon das Exposé sprach offenbar an, denn: Christoph Miethke und seine Frau Sabine Opdensteinen boten unbesehen mit. Der Medizintechnik-Unternehmer aus Potsdam suchte gerade eine neue Produktionshalle. Sie bekamen den Zuschlag – doch eine Fabrik für medizinische Spitzenerzeugnisse wurde trotzdem nicht daraus. „Das passte irgendwie doch nicht, aber das war schon längst egal. Wir merkten: dieses Gelände riecht regelrecht nach Kreativität, Aufbruch, Begegnungen“, erinnert sich Opdensteinen.

Der Bürgermeister und die Wirtschaftsförderung waren für alles offen, man traf sich, dachte in die Zukunft. Entstehen sollte ein Ort für Künstler, Gründer, Schöpfer, mit viel Ideen und wenig Eigenkapital. Das Ehepaar übertrug Marco Bartsch, Architekt und Stadtplaner, das facettenreiche Vorhaben. 2010 fand ein „Sommer der 1000 Möglichkeiten“ statt. Jede und jeder, der eine schöpferische Idee hatte, konnte sich ein paar Wochen so viel Platz nehmen, wie er brauchte – gegen einen symbolischen Obolus. Dadurch wurde klar, welche baulichen Bedürfnisse Kreative entwickeln. Es entstand ein Gesamtkonzept, von Null an, realistisch, behutsam, praktikabel.

Seit dem wird gebaut, immer mit dem Ziel vor Augen: „Warm und sicher sollte und soll es werden. Und seinen Charakter wahren“, hebt Bartsch hervor. Oder: „Nicht teuer totsanieren“, wie seine Chefin Opdensteinen es nennt. Ende Februar 2014 war Bauabnahme, einen Tag später spielte eine Rockband vor ersten Gästen.

Entstanden sind insgesamt 30 Ateliers, darunter monatsweise und länger anmietbare Co-Working-Büros zwischen 15 und 35 Quadratmetern, abschließbar und doch mit gemeinsamem Areal zu Kontakt und Austausch. Dazu gibt es zur Jahresmiete große Ateliers von bis zu 150 Quadratmetern.

Die Auslastung ist mit 50 Menschen nahezu vollständig. „Die Nettokaltmiete von 5 Euro /m² ist günstig gegenüber den ortsüblichen 7 Euro/m²“, sagt Opdensteinen. Mittlerweile arbeiten hier unter anderem eine Handweberin, ein Spezialkeramiker, eine Kindermodeschöpferin, Architekten, eine Journalistin und ein Werbeteam.

Veranstaltungen wie die Verkaufsschau ArtVent vor Weihnachten und einmal im Monat der Kulturfreitag mit Konzerten oder Lesungen sollen das Objekt in die Region hinein bekannter machen. Das Team entdeckt immer neue Möglichkeiten. „Gelebtes Netzwerken klappt noch besser, wenn man den Eingang und damit unsere Mieter und deren Angebot schneller findet. Also wollen wir im Erdgeschoss einen klar erkennbaren Empfang samt Präsentationsraum und ein Wegeleitsystem schaffen“, sagt Sabine Opdensteinen. Möglich wird dieses Vorhaben im Rahmen des Oranienwerk-Konzeptes „Kultur- und Kreativkatalysator K3“ durch ein Förderprogramm zur Kompetenzentwicklung in Unternehmen der Kultur und der Kreativwirtschaft. Es basiert auf Finanzmitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Ministeriums für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg. 120 000 Euro fließen über drei Jahre in die Umbauten, 30 000 Euro legen Miethke und Opdensteinen selbst dazu, plus diverse eigene Investitionen ins Areal. An weiteren Ideen mangelt es nicht: Ein Jazzclub und wassertouristischeAngebote sind ernsthafte Überlegungen.

Weitere Informationen unter www.oranienwerk.de

Quelle: Kreatives Brandenburg/S.Rosig

Bild: Oranienwerk/©Michael Haddenhorst 

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